Ein Sack voller Steine
Die letzten Tage war viel los. Ich fühle mich ziemlich erschöpft und auch irgendwie unrund. Dabei waren es gute Erlebnisse. Von der Sorte, wie ich sie am liebsten mag: tiefgründige Gespräche mit Menschen, die ich sehr gern hab.
Und trotzdem merke ich schon seit ein paar Tagen, wie der innere Druck zunimmt. Ich kann noch nicht schlüssig sagen, was sich gerade in mir zusammenbraut. Da es sich in mir gerade ziemlich chaotisch anfühlt, nehme ich mir vor, zumindest in meinem Außen für Ordnung zu sorgen. Ein paar Sommersachen möchte ich aussortieren – sie verstopfen mir nur den Platz im Kleiderschrank. Gedacht, getan. Doch das fiese Gefühl geht nicht weg.
In so einem Fall hilft bei mir nur mehr eins – meine Wunderwaffe gegen jegliche Gefühlsunklarheiten: intuitives Schreiben. Hab ich, glaub ich, schon in meinem ersten Blog erwähnt. Man nimmt dazu einen Block und einen Stift und schreibt mindestens 3–4 Minuten lang alles auf, was einem gerade durch den Kopf geht. Ohne Pause, in ganzen Sätzen. Ca. ab Minute 3 übernimmt dann das Unterbewusstsein das Ruder. Und da wird’s dann richtig interessant. Probier’s mal aus. Du wirst erstaunt sein, was man da alles entdecken kann.
Ich mach es mir also auf der Terrasse gemütlich, schalte alle Störquellen aus und lege los. Mit der Hoffnung auf Ordnung. Mein Kuli fliegt nur so über die Seiten. Und ich merk schon, dass da ein Wort immer wieder auftaucht: unkontrollierbar. Spannend.
Schließlich hab ich alles ausgeleert, was ich die letzten Tage mit mir herumgetragen habe. Ich hab die Hauptpunkte eingekreist und kann mir deshalb schnell einen Überblick verschaffen.
Der Übeltäter: Kontrollverlust
Und da liegt nun der Übeltäter ganz offen vor mir. „Kontrollverlust“.
Ich hab einen Sack voller Steine gesammelt – Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe.
Und diese Last hat mir viel Energie geraubt.
Der Kreis der Kontrolle
Na das ist ja schon mal was! Damit kann ich arbeiten. Ich mal mir einen Kreis auf den Block. Rund um diesen Kreis schreibe ich all die Dinge, die mich belasten und auf die ich keinen Einfluss habe. Und dann geh ich jedes dieser Probleme durch und schreibe in den Kreis, was ich tun kann, worüber ich selbst die Kontrolle habe.
Z. B. Ungerechtigkeit, die anderen widerfährt, kann ich nicht aus der Welt schaffen – aber ich kann selbst fair handeln. Oder jemand ist gekränkt, weil ich Grenzen gezogen habe – die Verantwortung dort lassen, wo sie hingehört: bei dieser Person, und weiterhin freundlich sein.
Bald ist mein innerer Kreis so vollgekritzelt mit Dingen, die ich selber kontrollieren kann, dass ich Mühe habe, noch eine freie Stelle zu finden. Ich schau mir stolz mein Meisterwerk an und denk an die Aussage meines Nachbarn: „Da wo die einen Probleme sehen, sehen die anderen Lösungen.“ Offenbar hatte er recht.
Es hat keinen Sinn, sich länger über Dinge zu ärgern, die sich unserer Kontrolle entziehen.
Das kostet unnötig Energie. Energie, die man besser investieren kann. Z. B. in die Überlegung, was man selber tun kann, was man selber in der Hand hat. Eigenes Handeln. Eigene Einstellung. Eigene Gedanken.
Ich fühl mich wieder geerdet. Und freu mich drauf, dieses Erlebnis mit euch zu teilen.
Bis bald
Christina
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